medemblik2013

Medemblik 2013

„Suchet, so werdet ihr finden“
– Starkwindrevier Ijsselmeer zeigt sich von seiner zahmen Seite: Sonne, Nebel und kaum Wind
Ankunft schon am Donnerstag. Es ist noch kalt, bedeckt und windig. So, wie das Ijsselmeer im Herbst eigentlich sein sollte. Doch das Regattazentrum in Medemblik hat die Pforten geschlossen – beginnendes Saisonende. An diesem Tag, an dem wir schon so früh aus Hamburg losgefahren sind, werden wir unsere „Lola“ nicht mehr ins Wasser lassen und noch etwas segeln können. Am nächsten Morgen aber:
„Leinen los“. Als einzige Dyas machen wir eine Testrunde: 5 bis 7 Beaufort, bockige Welle. Es geht doch.
Start der ersten Wettfahrt an diesem Freitag ist 16.00 Uhr. Bis dahin haben sich Starkwind und harte Welle gelegt. Gerade mal vier, in Böen fünf. Aber es macht Spaß. Wir kommen gut von der Startlinie los. Doch die Favoriten Jörg und Silke Stransky ziehen einfach davon, unaufhaltsam. Es ist beunruhigend zu sehen, mit welchem Tempo die beiden die erste Kreuz nehmen. Immerhin runden auch wir die Luvtonne ziemlich früh. Spinnacker raus. So geht es drei Runden. Soweit ich es erkennen kann, gelingen Andreas Linke und Vorschoter Andreas Malcher die Deutschen Meister auf dem vorletzten Schenkel zu überrunden und als erste durchs Ziel zu gehen. Gratulation! Wir schneiden die Linie als Fünfte.
Regattaleiter Lex Vogelenzang hat den Start für den kommenden Samstag auf 9.30 Uhr gelegt. Jawohl. Aufstehen und Frühstück im Dunkeln, mit dem ersten Sonnenlicht zum Hafen. Der Wind ist weg, spiegelglattes Wasser. Dafür aufkommender Nebel. Als wir als erste die Kaimauern verlassen, umgibt uns ein undurchdringlicher Schleier. Nach Kompass fahren wir zum Regattagebiet.
Motorengeräusche. Irgendwann überholt uns das Startschiff mit vier Dyas im Schlepptau. Wollen wir auch geschleppt werden? Wir zögern und sagen: „Nein“.
Dann kommt nach einer Weile ein Schlauchboot mit fünf Dyas am Haken. Na ja, wir hängen uns dran. Und dann geht die Suche los. Wo hat ist das Startschiff? Wir fahren links, wir fahren rechts – nichts. Nur dicke Suppe. Ein weiteres Schlauchboot fährt mit uns, auch drei Dyas im Schlepp. Wo ist Lex? Kein Zeichen, keine Peilung, nichts. Nur Nebel. Irgendwann tauchen die oberen Hälften der Windgeneratoren auf.
Es muss weiter rechts liegen. Dann ein Tuten. Ja, wir haben sie.
Wir dümpeln in der Flaute eine weitere Stunde neben dem Startschiff. Lex gibt Kaffee und Kekse aus – zweites Frühstück sozusagen. Dann geht es los. Start – und Tuuut!
Es werden Frühstarter angezeigt. Als einziger dreht Peter Kuhlen um, doch es sind insgesamt fünf Boote zu früh gestartet. Die anderen vier werden disqualifiziert. Eine Chance für uns. Der Wind frischt etwas auf, die Sonne scheint und es ist warm geworden. Im Mittelfeld umrunden wir die Luvtonne. Spinnacker raus zum ersten Raumschotkurs in diesem Jahr – jawohl, wir segeln ein Dreieck! Am Ende werden wir sechster sein. Ehepaar Stransky hat wieder die Pol-Position eingenommen: Platz eins.
Danach schläft der Wind wieder ein. Start zur dritten Wettfahrt. Wind dreht rechts und nimmt weiter ab – am Ende gegen Null. Das Dreieck ist auf ein Up & Down gewandelt worden. Das Feld zieht sich. Wettfahrtleiter Lex Vogelenzang verkürzt das Elend. Zieldurchlauf nach dem zweiten Spinnacker-Kurs. Andreas Hölter und Vorschoter Frederik Kindel haben eine Böe erwischt und ziehen auf und davon – an allen vorbei zum Sieg.
Dritte Wettfahrt bei etwas mehr Wind. Immerhin umrunden wir als fünfte die Luvtonne. Doch dann geben wir an der Leetonne keinen Innenraum und kringeln zur Strafe zweimal. Vier Plätze gehen verloren, einen können wir wieder gut machen und kommen als Achte durchs Ziel.
Sieger sind die Champions: Jörg und Silke Stransky.
Zweiter ist Thomas Eckard aus Berlin.
Letzte Wettfahrt an diesem Tag. Der Wind weht mit 2-3 Beaufort. Guter Start. Beim zweiten Passieren der Leetonne ist Shorty direkt vor uns. In seinem Abwind will ich nicht segeln und lege um auf Backbord Bug. Der Wind dreht weiter rechts, eine ganze Böenstrasse kommt uns entgegen. Wir segeln so vor uns her, keiner ist auf den linken Schenkel mitgekommen. Wo ist die Luvtonne eigentlich. Wir wenden zur Vorsicht schnell und halten Ausschau. Tatsächlich – direkt vor uns. Unser Kurs liegt an. Als wir die Luvtonne umrunden haben wir Shorty zweihundert Meter hinter uns gelassen. Welch ein Tag! Bis zum Ende der Wettfahrt bleibt ein frohes Lächeln in meinem Gesicht. Am Vorwindkurs liegt Andreas Hölter rechts vor uns. Wir holen auf der Innenposition langsam auf. Irgendwann ist ihm das zu gefährlich. Er schifftet und fährt hart hinter uns auf die Innenposition. Dort allerdings lässt der Wind nach und er versackt. Muss sogar noch zwei weitere Boote passieren lassen. Hinter den Siegern Stransky und Eckard erreichen wir als stolze siebte die Ziellinie.
Am Abend wieder fröhliches Dyas-Treffen im gewohnten Restaurant am Hafen. Es wird gefachsimpelt, getrunken und gut gegessen. Lex Vogelenzang verteilt gefüllte Schnapsgläser. Die Stimmung ist ausgelassen. Allerdings ist am Sonntag wieder um 9.30 Uhr Start. Insofern wird der Abend nicht allzu lang.
Sonntagmorgen scheint die Sonne, das Ijsselmeer ist spiegelglatt. Es ist warm geworden. Als zweites Boot verlassen wir den Hafen Richtung altes Regattagebiet. Und dümpeln so vor uns hin. Bis wir erkennen müssen, dass Lex Vogelenzang die Wettfahrt auf der anderen Seite ausrichten will. Irgendwann kommt ein Schlauchboot und zieht uns zum Start. Dort treiben wir bei schöner Sonne eineinhalb Stunden herum. Kein Wind. Nichts. Letzte Startmöglichkeit – laut Ausschreibung – 11.00 Uhr.
Dann werden die Tonnen doch noch ausgelegt. Um zehn Minuten vor Elf Startankündigung. Verzweifelt versuchen alle an die Startlinie zu kommen. Soll es tatsächlich eine Wettfahrt geben? Dann Start. Um sofort abzublasen und die Regatta als beendet zu erklären. Na ja, das war ein Schreck.
Am Ende werden die Sieger geehrt: 3. Georg und Gisela Florack, 2. Thomas Eckard und Sander Vogelenzang und 1. Jörg und Silke Stransky.
Leider haben für diese Regatta nur 15 Boote gemeldet. Das ist traurig und eigentlich ein Desaster für eine derart hoch bewertete Wettfahrt. Hoffentlich gibt es im kommenden Jahr mehr Meldungen für dieses einzigartige Regattagebiet. Und: wer nicht zur Mosel fährt, für den ist es ein gutes Abschluss der Segelsaison!

Ahoi!
Thomas Schaefer
GER 1468 „Lola“

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