idm2013

IDM 2013, Potsdamer Yachtclub, Berlin – Wannsee

Internationale Deutsche Meisterschaft 2013, Potsdamer Yachtclub, Berlin – Wannsee 12. – 16. August 2013

Überraschungen in verschiedensten Varianten

Die diesjährige IDM war gespickt mit vielen Überraschungen:

Es begann schon bei der Anfahrt:
Auf der Autobahn (Richtung Schweizer Grenze) bemerkte ich auf einmal die Polizei hinter mir. Demzufolge habe ich dann möglichst unauffällig (möglichst keine aufleuchtende Bremslichter) mein Tempo reduziert. Die Polizei fuhr dann noch eine geringe Weile neben mir auf der Überholspur und gab mir per Handzeichen zu verstehen, dass ich mein Tempo noch mehr reduzieren sollte. Hernach sind sie grüssend weitergefahren – nett – nett – nett. Die Korridor-Vignette für den Pfändertunnel gibt es leider seit der Eröffnung beider Tunnels nicht mehr – jetzt muss man mindestens das “Pickerl” für 10 Tage kaufen.

Am Zielort Wannsee:
Die erstaunliche Zahl an gemeldeten Mannschaften freute mich sehr, liegt doch Berlin, für sehr viele nicht gerade am Weg. Die nette Begrüssung, Hilfe beim Kranen und Platzzuweisung sowie auch die Vermessungskontrolle verliefen in sehr freundlicher und ruhiger Stimmung. Kompliment!
Dass geglaubt wurde, die zwei Schweizer Mannschaften hätten nicht bezahlt und sie daher regelmässig am Anschlagbrett gebeten wurden, sich im Büro zu melden, überraschte uns täglich. Zuletzt zeigte es sich aber, dass die Schweizer doch kein Geld horten, sondern dass es schlussendlich in den Konten des PYC gefunden wurde! Die Unterschiede der verschiedensten Wettervorhersagen für die Dauer der Meisterschaft waren auch sehr überraschend. Sehr überrascht hatte mich Joke, welche es innert kürzester Zeit schaffte, für den dritten Regattatag für Martin Mehnert, er hatte es im Rücken und segelte daher bei viel Wind nicht, Alex Mertens als Ersatz zu engagieren. Auch Sepp Haag hatte sich nach dem ersten Lauf nach einem anderen Vorschoter umsehen müssen. Zur Überraschung aller gab es bei der Begrüssung am Montag Champagner und zudem wurde pro Boot, wohl um die Nerven zu stärken, noch eine Flasche Sherry verteilt. Letzte Trimms, Vorbereitungen und Spekulationen: Es war schön zuzuschauen, wie überall nachgemessen und nochmals verstellt wurde. Ob’s genützt hat, kann jeder selber beurteilen. Es wurde abgeklebt was man so alles abkleben und sichern kann, Segel wurden mehrfach hin und hergetragen und wilde Spekulationen waren im Umlauf, wer wohl die Spitzenkandidaten sind. Dies war aber gar nicht einfach, da mindestens ein Drittel der Teilnehmer durchaus in der Lage waren ganz vorne mitzufahren und daher eine sehr breite Spitze geschaffen war. Die Wettfahrten: Die Wettfahrtleitung hatte es nicht leicht, da der Wind in allen Wettfahrten sehr drehend und zudem löchrig wie ein Schweizer Käse war. Wir hatten uns mit Winden der Stärke 2 – 5 auseinanderzusetzen (in den Böen manchmal auch einiges mehr) und daher gingen auch Spinnaker in Fetzen auf und einige Boote erlitten durch Kollisionen Schrammen, Beulen und auch beachtliche Löcher. (hier lobe ich meine massive Alu-Schiene rundum) Gestartet wurde recht gesittet, der Regattaleiter musste nur einmal mit “Black Flag” den Tarif durchgeben. Die meisten Teilnehmer konnten die Windlöcher und Dreher schlecht interpretieren, so dass jeder in der Endabrechnung ein bis zwei “Ausrutscher” hatte. In der zweiten Wettfahrt zeigte sich, dass die DYAS Segler Herdentiere sind. Gegen Ende des zweiten Spi-Kurses stand kurz vor dem Gate ein Motorboot der Regattaleitung mit den Flaggen blau und Kursänderung. Dass diese Kombination eine grosse Verwirrung gab und von den wenigsten richtig angeschaut wurde, zeigte sich sehr bald. Die Spitze ist durchs Tor gesegelt und hat sich hernach sofort nach links begeben um die Linie frei zu halten. Eine weitere
Gruppe ist weiter gesegelt bis zur Tonne Fünf und ist dann über die “Ziellinie” gefahren und ein paar ganz wenige sind durchs Tor und wieder auf die Kreuz in Richtung der versetzten Tonne. Somit sind dem Herdentrieb folgend fast alle dann wieder auf die Kreuz und hernach dann regulär bis zur Tonne 5 und ins Ziel gefahren. Fast alle haben die blaue Flagge, zusammen mit der Kursänderung, falsch interpretiert, denn auf der blauen Flagge befand sich schlecht sichtbar ein “R”. Also nicht Zielflagge sondern Regattaboot. Ich war dermassen verärgert über meine Fehlinterpretation, dass ich die “gute” Idee hatte aufzuhören um uns in aller Ruhe für den nächsten Lauf vorzubereiten. Neben uns hatten noch zwei weitere Boote in diesem Lauf ein DNF. Dass dies ein fataler Fehlentscheid war, zeigte sich sehr bald. Am Abend kam es dann noch zu einem Protest gegen die Wettfahrtleitung, welcher natürlich keine Chance hatte, da diese ja auch nichts falsch gemacht hatte. Vermutlich weil der Wettfahrtleiter leicht verärgert war, wurden die Laufsieger an diesem Abend nicht geehrt sondern erst am folgenden Tag. Sicher ist, nun wussten alle wohin es bei dieser Flaggenkombination geht und dass der Fehler nicht bei der Regattaleitung sondern bei den Seglern gemacht wurde. Vorfahrtsregeln, Bootslängen und Raumrufe: Eigentlich ist es klar, dass Vorfahrtregeln einzuhalten sind. Im Recht sind nicht diejenigen, die am lautesten brüllen um sich damit Respekt zu verschaffen und damit die Vorfahrt erzwingen wollen. Wenn man aber nachher vom möglichen Benachteiligten hört, dass er ohne groben Schlenker eine Kollision gehabt hätte, fragt man sich, weshalb er dann dies immer noch so laut brüllen muss, obwohl man auf Grund der Nähe fast flüstern könnte. Erstaunlich ist auch, wie lang eine DYAS sein kann – 3 Bootslängen können unwahrscheinlich weit vor der Tonne anfangen. Wen wundert’s, es sind häufig die gleichen Boote, die Kollisionen haben und Proteste machen. Weiterer Regattaverlauf – weitere Spekulationen und Hochrechnungen: Wie ich schon erwähnt habe, waren die Verhältnisse schön, aber recht schwierig. Die Laufsiege sind verteilt auf die Plätze 1 bis 7 in der Endabrechnung. Die zweiten Plätze auf die Ränge 2 bis 15, die dritten auf die Ränge 2 bis 11, die vierten auf die Ränge 4 bis 11, die fünften auf die Ränge 1 – 16 und die sechsten die Laufplätze 1 bis 19. Entweder ist man beim Start gut weggekommen und konnte im freien Wind agieren wie man wollte, oder man war im Feld drin und fast machtlos. Jede Wende war falsch weil man wieder im Abwind anderer war und nicht genau bis zum Winddreher segeln konnte. Am Abend des zweiten Wettfahrttages sah es sehr gut aus für die Mannschaft Linke / Malcher, welche ja bekanntlich die amtierenden Sieger der Travemünder-Woche sind. Am Abend des dritten Wettfahrttages sah es dann aber ganz anders aus. Es war noch absolut unklar, wer als Sieger aus dem Rennen geht und wie die weiteren Plätze nochmals gemischt worden wären. Demzufolge eine sehr spannende Ausgangslage für den achten Lauf. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär; wär, wär ….: Wenn Schmohl / Ostertag im 8.Lauf erste und Stransky / Stransky dritte geworden wären, hätten Schmohl / Ostertag gewonnen. Wenn Zinsli / Helbling im 2. Lauf statt aufgegeben, mindestens Rang 18 Rang gesegelt hätten, wären sie in der Endabrechnung auf dem dritten Platz. Wenn es am Donnerstag genügend Wind gehabt hätte, wäre auch noch ein achter Lauf zustande gekommen etc., etc. …… Wenn …….. ; die Swiss DYAS haben sich mit den Schlussplätzen 2,3,4,6,8,9,11 sehr gut geschlagen und wenn….. sähe dies noch besser aus.
Siegerehrung: Eine würdenvolle Siegerehrung und ein sehr gelungener Klassenabend waren das Finale der Meisterschaft. Die Sieger Jörg und Silke Stransky durften sich im Anschluss an die Siegerehrung noch abkühlen, so wie dies im Jahr 2002 auch mit Jens Leicher und mir geschah – nur war diesmal “der grünen Grütze” viel weniger. Herzliche Gratulation auch an die Zweit und Drittplatzierten, und etc. Ein ganz grosses Dankeschön an die gesamte Helfergruppe des PYC und natürlich auch an die Crew der Gastronomie.

Euer Schweizer Bootsbauer
Kurt Helbling SUI 284

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